Was sind ETNs?
ETPs ist der Oberbegriff für alle börsengehandelten Finanzprodukte. Exchange Traded Notes (ETNs) sind Inhaberschuldverschreibungen einer Bank, also im Unterschied zu ETFs keine Sondervermögen. Sie haben eine begrenze Laufzeit und partizipieren über einen Index an der Wertentwicklung einer bestimmten Anlageklasse. Diese speziellen Index-Anleihen werden neuerdings auch an der Deutsche Börse in Frankfurt gehandelt. ETNs sind eher für qualifizierte Anleger eine Alternative zu bislang ausschliesslich bilateral gehandelten Derivaten. Sie sind in geringem Masse eine Alternative zu Indexfonds.
Glauben Sie, dass es bei den ETPs eine zweigleisige Produktlandschaft geben wird?
Ja, dies wird zunehmend der Fall sein. Der Trend geht hin zu einer Aufspaltung der Produktangebote für private und für institutionelle Anleger. Dies ist bereits bei den Anlagethemen, bei den Produkttypen und bei der Preisgestaltung festzustellen. Beispielsweise wird es meines Erachtens bei börsengehandelten Indexfonds (ETFs) in der Zukunft noch mehr Produkte mit institutionellem Zuschnitt geben.
Wird es bei ETFs und anderen indexbezogenen Finanzprodukten also stärker
ein Gegeneinander oder ein Miteinander geben?
Ich glaube eindeutig an ein Miteinander, aber die optimale Zusammenstellung eines Anleger-Portfolios wird schwieriger und zeitaufwendiger. Mit den zunehmenden Produktkategorien steigen auch die Anforderungen an die Produktauswahl. Die Trennlinien zwischen derivativen Produkten oder Produkten im Fonds-Mantel werden zunehmend verschwimmen. Ähnlich wie beim Markt für herkömmliche, aktiv gemanagte Fonds wird auch bei Indexfonds und verwandten Produkten die professionelle Selektion und kontinuierliche Marktbeobachtung wichtiger werden.
Welche Lösungswege sehen Sie also für den steigenden Informationsbedarf im europäischen
ETP-Markt?
Es sind alle Marktteilnehmer gefragt, von den Anbietern über die Medien bis hin zu den Beratern. Einfachheit, Transparenz sowie Vergleichbarkeit bei Preisen und Leistungen sind die Leitlinien, an denen ich mich in der Kundenberatung orientiere. Viele Anleger haben aus der Erfahrung gelernt, dass vergleichende Performance-Ranglisten oder die relative Betrachtung von Finanzprodukten in einzelnen Anlagekategorien oft nur unzulängliche Hilfsmittel bei der Zusammenstellung eines stabilen Portfolios sein können. Momentan kann man feststellen, dass viele Anleger qualitativen Filterkriterien bei der Auswahl von ETFs und anderen Produkten zunehmend Beachtung schenken.
Herr Dr. Thomas, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredakteur.
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Zur Person
Dr. Markus Thomas hat mehr als elf Jahre Finanzmarkterfahrung. Er ist ausgewiesener Experte in der europäischen Investmentfonds- und Index-Branche.
Seit Oktober 2009: Selbständig als Gründer und Geschäftsführer von XENIX Investor Services UG, Berlin
Februar 2006 - September 2009: Vertriebsleiter Mittel- und Osteuropa - Dow Jones Indexes, Frankfurt und Stoxx Ltd, Zürich
Juni 2000 - Februar 2006: Key-Account-Manager - Siemens Financial Services / Siemens Kapitalanlagegesellschaft mbH, München
Januar 1999 - Mai 2000: Produktmanager - Activest Investmentsgesellschaft mbH (heute: Pioneer Investments), München
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