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Interviews: Lifestyle

[2011.06.27]Mit Renzo Schweri von Flaschenpost Services AG, Zürich

Gespräch mit Renzo Schweri, Geschäftsführer, Flaschenpost Services AG, Zürich, www.flaschenpost.ch

Herr Schweri, können Sie den Online-Weinhändler Flaschenpost kurz vorstellen?

Flaschenpost ist in der Schweiz der grösste Online-Weinhändler mit 10'000 Weinen von 50 renommierten Weinfachhändlern. Der Kunde hat auf flaschenpost.ch die Möglichkeit, an einem Ort all seine Lieblingsweine zu bestellen und sie sich mit einer Lieferung nach Hause schicken zu lassen. Sollte er einen bestimmten Wein in unserem Sortiment nicht finden, so suchen wir diesen gerne für ihn, ganz nach unserem Claim „Online zu jedem Wein“. Bis Ende Jahr werden wir unser Sortiment auf 15'000 Weine ausweiten, um unserer Vision, „Amazon des Weins“ zu werden, noch ein Stück näher zu kommen.

Wie ist die Idee für Flaschenpost entstanden?

Während dem Verfassen meiner Diplomarbeit zum Thema „Qualitätsweine als Finanzanlagen“ an der Universität Zürich haben mein heutiger Geschäftspartner und damaliger WG-Kollege Dominic Blaesi und ich festgestellt, dass das Weinkaufen im Internet viel einfacher sein könnte und es umständlich werden kann, wenn man Weine von verschiedenen Weinhändlern bestellen möchte. Wir haben darauf Partnerschaften mit 25 Weinhändlern geschlossen und sind bereits nach wenigen Wochen mit flaschenpost.ch online gegangen. Nach knapp einem Jahr waren wir überzeugt, dass im Markt ein echtes Bedürfnis nach unserer Dienstleistung vorhanden ist und haben uns entschieden, voll in Flaschenpost einzusteigen. Mittlerweile sind wir seit viereinhalb Jahren tätig und beschäftigen vier weitere Mitarbeiter.

Was sind die momentanen Weintrends?

Wir stellen generell einen Trend zu fruchtigen, weichen Weinen mit einer gewissen Restsüsse (sogenannte „easy drinking-Weine“) fest. Mit Abstand am besten verkauft sich momentan Primitivo und allgemein Weine aus Italien, Weine aus Übersee (USA, Südafrika, Australien) sind gar nicht gefragt. Easy drinking-Weine sind sehr zugänglich und werden von Einsteigern wie auch von Personen mit fortgeschrittenem Weinwissen gleichermassen geschätzt.

 


 

Welche Weine trinken Sie selbst?

Da ich während meines Studiums auf einigen Weingütern in Italien arbeitete, habe ich eine Vorliebe für Weine aus der Toskana und dem Piemont (Barbaresco). Gerne mache ich auch mal eine Flasche Pinot Noir (Burgund oder Bündner Herrschaft) oder einen Tessiner Merlot auf. Allgemein munden mir Weine mit einem eigenständigen Charakter, Eleganz und einer gewissen Vielschichtigkeit.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des Schweizer Weinmarktes in Zukunft ein?

Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Jahren der Preis immer wichtiger werden und im Fachhandel eine starke Konsolidierung stattfinden wird. Der Detailhandel macht heute in der Schweiz ca. 60% des Weinhandels aus – im preissensitiven Deutschland sind es bereits ca. 90% – und wird in Zukunft immer bedeutender werden. Wenn man gekonnt gewisse Nischen besetzt, einen hohen Servicelevel anbietet und die wahren Kundenbedürfnisse erkennt, sehe ich auch für einzelne Fachhändler langfristig gute Chancen. Was den Online-Kanal betrifft, so sind wir überzeugt, dass dieser weiter zulegen (jährliches Wachstum ca. 20%) und langfristig einen bedeutenden Teil des Weinmarktes abdecken wird.

Herr Schweri, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.

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