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Interviews: Finanzen

[2011.09.27]Mit Dr. Georg Hafner von AMAA Asset Management and Advisory,
 Zürich

Gespräch mit Dr. Georg Hafner, CEO, AMAA Asset Management and Advisory, Zürich, www.amaa.ch

Herr Dr. Hafner, wie sehen Sie die globale wirtschaftliche Entwicklung?

Die Welt ist geprägt durch die Machtverschiebung von den USA, Europa zu den Schwellenländern China, Brasilien, Indien, Türkei. Diese Tendenz wird verschärft durch die Schulden der Industrieländer, die in Europa auf die enormen Transferzahlungen im Bereich der Sozialversicherungen und die überbordenden Staatsaufgaben zurückzuführen ist. Durch eine Überregulierung werden enorme Kräfte verschleisst (Bürokratie) und die Wirtschaft geknebelt. In England z. B. wurde der Staatsanteil am Bruttoinlandprodukt von unter 30% in den letzten Jahren auf über 50% erhöht. Griechenland ist nur das schwächste Glied in einer Kette von staatlichen Fehlentwicklungen. Glücklicherweise dürften die Schwellen- und Entwicklungsländer die Weltkonjunktur stützen, so dass ein Abgleiten in eine globale Rezession vermieden werden kann.

Es wurden von den Notenbanken enorme Geldmengen in die Märkte gepumpt. Wird damit nicht zwangsläufig ein grosses Inflationspotenzial aufgebaut?

Ich sehe die Gefahr nicht so gross wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Da die Staaten der westlichen Welt als wichtigste Marktteilnehmer verschuldet sind, können sie nur noch beschränkt Investitionen tätigen und dämpfen die Konjunktur. Auch die Exporte werden zurückgehen, so dass gegenwärtig keine Überhitzung der Wirtschaft droht. Die Arbeitsmärkte sind viel flexibler als früher, zusammen mit der Globalisierung ein weiterer wichtiger Faktor für die Dämpfung der Inflation. Geld ist zwar im Übermass vorhanden, wird aber nicht ausgegeben (ähnlich wie in Japan). Eine Assetinflation kann partiell nicht ausgeschlossen werden, Gold, in einzelnen Staaten Real Estate. Die Notenbanken müssen zu einem späteren Zeitpunkt die überschüssige Geldmenge klug reduzieren, d.h. sie müssen den Gegenwert der im Crash vernichteten Werte in Aktien und Real Estate nicht vollständig abschöpfen, sonst bricht die Konjunktur zusammen. In den Schwellenländern ist die Gefahr der Inflation grösser.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Börsen?

Unter diesen Umständen wird die Weltwirtschaft sich unterschiedlich entwickeln. Die Emerging Markets werden als erste wieder Tritt fassen. Sie haben teilweise stark korrigiert, in diesen Märkten kann bald wieder längerfristig investiert werden. In den westlichen Börsen sind nach den starken Korrekturen wieder einzelne Branchen günstig bewertet. Die starke Volatilität der Märkte dauert aber an.

 


 

… und wie lauten daraus die Schlussfolgerungen für die Investoren?

Mit einem Teil des Investitionsvolumens kann in stark zurückgefallene Werte investiert werden, der Investor muss aber einen Teil seines Vermögens in Reserve halten, um bei weiteren Rückschlägen – schlechte Konjunkturnachrichten – zukaufen zu können.

Welche Instrumente empfehlen Sie, um diese Strategie optimal umzusetzen?

Core- and Satellite-Strategie, Märkte und Branchen mit ETFs, Indexfonds, daneben ausgewählte Aktien, die auf Grund von charttechnischen Kriterien ausgewählt werden, denn die Fundamentalanalysen sind in diesen volatilen Märkten oft zu langsam.

Herr Dr. Hafner, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.

Zur Person
Dr. Georg Hafner hat an der Universität Zürich Nationalökonomie und Geschichte abgeschlossen. Er war während 25 Jahren in führender Stellung in einer Schweizer Grossbank im Portfoliomanagement tätig und betreute in dieser Zeit Assets von 1,5 Mrd. Schweizer Franken. Seit fünf Jahren ist er selbständig und betreut mit seiner Asset Management Gesellschaft AMAA internationale Kunden.

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