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Interviews

[2009.07.28]  Mit Prof. Dr. Josef Marbacher von Institut für Finanzmanagement
IFF, Brugg

Interview mit Prof. Dr. Josef Marbacher, Institutsleiter, Institut für Finanzmanagement IFF, CH-Brugg (www.fhnw.ch)

Herr Prof. Marbacher, die ETF-Industrie nennt ihre Produkte „passive“ Instrumente im Unterschied zu den aktiv verwalteten Fonds. Was kommt Ihnen spontan beim Begriff „passiv“ in den Sinn?

Dass selbst die ETF-Industrie von passiven Anlagen spricht, halte ich für geradezu kreditschädigend. Wer will schon sauer verdientes Geld jemandem geben, der schlicht damit nichts macht, also durch Passivität glänzt? Ich halte es für empfehlenswert, einen Oberbegriff zu wählen, der durch positivere Assoziationen gekennzeichnet ist. Eine Möglichkeit wäre, den Begriff "passiv" durch "effizient" zu ersetzen. Diese positive Charakterisierung liesse sich auch theoretisch untermauern, da die moderne Finanztheorie eindrücklich zeigt, dass aktives Fondsmanagement keinen Mehrwert zu erzeugen vermag, im Gegenteil: In der Regel führt die Aktivität zu einem Minderwert der Anlage. Diese empirischen Sachverhalte werden dem Publikum immer mehr bekannt. Das ist einer der Gründe, weshalb die effizienten ETF-Anlagen jetzt auch in Europa ihren Siegeszug antreten und laufend Marktanteile gewinnen.

Können Sie unseren Lesern bitte kurz erklären, welchen Bezug Ihr Institut für Finanzmanagement IFF, www.fhnw.ch, zu den ETFs hat?

Eine der Kernaktivitäten des Instituts ist die Anwendung der Modernen Finanztheorie. Dies gilt sowohl für die Lehre, wie auch für die Weiterbildung und die angewandte Forschung. Im Rahmen der Lehre haben die Studenten der FHNW die Möglichkeit, sich auf dem Gebiet des Banking und Finance zu spezialisieren. Dieser Bereich wird in den kommenden Jahren noch ausgebaut. Zudem führen wir im Rahmen der Weiterbildung Masterstudien für Banker und CFO's mit Hochschulabschluss durch, deren Markenzeichen es ist, dass sie weitgehend am Konzept der Modernen Finanztheorie ausgerichtet sind. ETFs jedoch sind geradezu das Anwendungsgebiet par excellence dieses Wissenschaftszweiges. ETFs basieren zudem auf Indexzahlen. Das Institut hat sich im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte auf dem Gebiete der Indexentwicklung spezialisiert. Diese Erkenntnisse haben insbesondere im Bereiche der CDS Anwendung gefunden.

Exchange Traded Funds (ETFs) und Exchange Traded Commodities (ETCs) werden auch von Privatanlegern immer mehr eingesetzt. Befürworten Sie als Wissenschaftler diesen Trend?

Dieser Trend ist Beleg dafür, dass mehr und mehr Private den State-of-the-Art in Sachen Geldanlage kennen. Der Trend dürfte sich in den kommenden Jahren noch deutlich verstärken. Er ist zweifellos zu begrüssen.

Was halten Sie von der vielgerühmten Core-Satellite-Strategie?

Core-Satellite-Strategien haben den besonderen Reiz, dass sie dem Anleger praktisch alle Handlungsoptionen offenlassen. Er kann in den grossen liquiden Märkten mit ETFs arbeiten und in weniger effizienten Märkten hoffen, dass er Marktverzerrungen ausschöpfen kann. Ist dies nicht der Fall, hat er wenigstens nicht viel an Rendite und Diversifikation verloren, da der Core-Anteil in der Regel deutlich grösser ist als der Satelliten-Anteil. Sicher aber ist, dass der Anleger mit dieser Strategie seinen Spieltrieb wesentlich besser befriedigen kann, als mit einer rein passiven Anlagekonzeption.

Es ist kein Geheimnis, dass aktiv verwaltete Fonds Mühe haben, ihren selbst gewählten Referenzindex zu schlagen. Sind diese Fonds somit ein Auslaufmodell?

Menschen, die anderen Geld anvertrauen, wollen nur das Beste. Durchschnitt reicht da nicht aus. ETFs können aber nur durchschnittliche Erträge versprechen. Es wird jedoch jedes Jahr Fonds geben, die mehr als eine durchschnittliche Rendite erzielen. Nur sind diese schwierig zu finden. Und wenn man sie gefunden hat, fallen sie wieder hinter den Durchschnitt zurück. Und so beginnt das Spiel von vorne… Die Hoffnung aber stirbt zuletzt.

Dazu kommt, dass die Anbieter einen geringen Anreiz haben, ETFs zu forcieren. Es handelt sich schlicht um Standardprodukte, die eine geringe Marge aufweisen. Aus Sicht der Anbieter bringen komplexe, individualisierte Produkte wesentlich mehr Gewinnbeitrag, da sie auf Grund der geringeren Preiselastizität einen höheren Preissetzungsspielraum aufweisen.

Aktive Fonds werden deshalb nie vom Markt verschwinden. ETFs haben zwar noch ein beträchtliches Wachstumspotential, vor allem bei institutionellen Anlegern. Im privaten Bereich werden sie jedoch einer relativ kleinen Minderheit vorenthalten sein.

Herr Prof. Marbacher, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.

Zur Person
Herr Marbacher hat eine Professur in Finance an der Hochschule der Nordwestschweiz und leitet das Institute for Finance IFF. Er hat an den Universitäten Zürich, Genf und Stanford Ökonomie studiert. Beruflich war er unter anderem als Assistent des Instituts für Schweizer Bankwesen der Uni Zürich, als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Schweizerischen Nationalbank, als Chefökonom der Swiss Re und als Chefökonom und Researchleiter der Bank Julius Bär tätig.

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