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Interviews: Finanzen

[2009.04.16]  Mit Michael Geister von ETF Securities Ltd, London

Gespräch mit Michael Geister, Head of Sales Germany / Nordics,
von ETF Securities Ltd, London (www.etfsecurities.com)

Herr Geister, Ihr Haus ist der Weltmarktführer für Exchange Traded Commodities (ETCs) mit einem verwalteten Vermögen von rund 7,7 Mrd. Euro. Verstehe ich das richtig, Sie bieten nun auch zusätzlich Exchange Traded Funds (ETFs) an?

Das ist richtig, ETF Securities Ltd ist der Pioneer auf dem Gebiet der ETCs. Einige rohstoffverwandte Themen können nicht sinnvoll als direkter Rohstoff gehandelt werden, somit ist unser neues ETF-Angebot als Ergänzung zum ETC-Universum zu verstehen und als erster Schritt in den Bereich Aktienindex-ETFs. Die Themen der Aktien-Index-ETFs haben vorranging „alternativen“ Charakter. Klassische Beispiele sind Wasser, Nuklearenergie, Schifffahrt oder Alternative Energien.

Können Sie unseren Lesern bitte die hauptsächlichen Unterschiede von ETFs zu ETCs erklären?

ETFs und ETCs sind sehr verwandte Konzepte. Der grundlegende Unterschied zwischen ETFs und ETCs liegt in deren Rechtsform. Ein ETF ist rechtlich ein Fonds und gilt als Sondervermögen, ein ETC ist rechtlich ein Wertpapier und hat einen ähnlichen Status wie Sondervermögen. In beiden Fällen sind Investoren vor Insolvenz des Emittenten geschützt. Ein ETF bildet sehr präzise, kostengünstig und transparent die Entwicklung bestimmter, diversifizierter Indizes nach. ETCs ermöglichen neben dem Tracking von breiten Indizes darüberhinaus auch die Entwicklung von Subindizes und Einzelrohstoffen in Long-, Short-, Leverage- und Forward-Versionen abzubilden.

 


 

Der ETF-Markt ist bekanntlich hart umkämpft. Verstehen Sie sich als Nischenplayer oder werden Sie eines Tages auch alle grossen Indizes abdecken?

Rohstoffe konnten sich im Laufe der letzten Jahre als Assetklasse etablieren, nicht zuletzt durch die ETC-Produktpalette. Hier sind wir eindeutig Markt- und Innovationsführer. Es liegt nahe, das bisherige Universum basierend auf „Rohstoffen“ und „Alternativen Aktien-Themen“ Schritt für Schritt zu erweitern. ETF Securities Ltd's Selbstverständnis ist es, auch in Zukunft mit innovativen und transparenten Produktkonzepten einen deutlichen Mehrwert für Investoren zu generieren.

Welches sind die am meisten nachgefragten ETCs und ETFs bei Ihnen?

Seit mehreren Monaten können wir ein einen sehr starken Zustrom in physische Gold-ETCs (Gold ist physisch hinterlegt), den Energiekomplex und in den Sektor Landwirtschaft verzeichnen. Die meisten Investoren engagieren sich im Sektor Energie über Crude Oil-ETCs und einem ETC auf die Ölsorte Brent. In unseren physischen Gold-ETCs halten Investoren aktuell mehr als sieben Millionen Unzen Gold. Das grosse Interesse an Gold wird stets mit den Argumenten „Sicherer Hafen“ und „Inflation“ begründet.

Im Bereich der Aktien-ETFs, welche Anfang dieses Jahres in Deutschland gelistet wurden, stehen ETFs auf Alternative Energie, Wasser und Nuklearenergie im Fokus.

Sind Ihre Zielkunden eher institutionelle Investoren oder private Anleger?

Der institutionelle Anleger steht im Fokus. ETFs und ETCs im Allgemeinen haben sich bei institutionellen Anlegern bereits zu sehr etablierten Instrumenten entwickelt, mit denen verschiedenste Assetklassen, Märkte, Themen und entsprechende Strategien umgesetzt werden können. Seit Jahren verzeichnen ETFs und ETCs steigendes Anlagevolumen mit zweistelligen jährlichen Wachstumsraten.

Auch Privatanleger beginnen, die zahlreichen Vorteile von ETFs und ETCs zu erkennen und aktiv zu nutzen. Es wird geschätzt, dass in Deutschland bereits 15% der ETFs von Privatinvestoren gehalten werden. Bei ETCs sollte dieser Anteil etwa 5% betragen. Transparenz, Kosteneffizienz, Sicherheit und Einfachheit zählen zu den Vorzügen der ETFs und ETCs, was insbesondere im aktuellen Marktumfeld zu gesteigertem Interesse bei allen Anlegern führt.

Können Sie uns abschliessend noch etwas über Ihre Produktepipeline verraten?

„ETF Exchange“ ist eines unserer jüngsten Projekte. Dahinter verbirgt sich ein Konsortium, das unter dem Namen „ETF Exchange“ gemeinsam als Emittent auftritt. Damit wollen wir das „neue Zukunfts-ETF-Modell“ etablieren. Ziel von „ETF Exchange“ ist es, Investoren weltweit die liquidesten börsengehandelten Produkte, Exchange Traded Products (ETPs), mit dem besten Kredit-Rating anzubieten. „ETF Exchange“ nutzt mehrere austauschbare Gegenparteien für eine exakte und stabile Abbildung des Index. Die neue Struktur hilft, Risiken zu senken, da keine Abhängigkeit von einer einzelnen Gegenpartei besteht und sie erhöht die Liquidität, da Investoren die Preise mehrerer Market Maker vergleichen können. Sie erhalten so den wirklichen Wettbewerbspreis und haben Arbitragemöglichkeiten. Aktuell haben 15 globale Banken und Assetmanager Interesse bekundet, an „ETF Exchange“ mitzuwirken.

Herr Geister, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.

Zur Person
Michael Geister ist seit 2002 im Bereich Finanzwesen tätig. Über die BNP Paribas zur Société Générale gekommen, wo er in den letzten fünf Jahren in verschiedenen Bereichen in Paris, London und Frankfurt im Einsatz war. Seit 2007 ist Michael Geister bei ETF Securities Ltd verantwortlich für den Aufbau des Deutschlandgeschäfts mit institutionellen Investoren, seit kurzem hat er auch die Verantwortung für das Skandinaviengeschäft.

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