| Wie haben sich Ihre Gold-ETFs volumenmässig im letzten Jahr entwickelt?
Ende 2007 war der Goldbestand bei rund 830 Mio. Schweizer Franken, derzeit sind wir bei rund 4,5 Mrd. Schweizer Franken, womit sich der Bestand seither mehr als verfünffacht hat. Mit dieser Entwicklung sind wir ausserordentlich zufrieden.
Angenommen, ein Anleger des Gold-ETF möchte das Gold physisch ausliefern lassen, wie lange dauert es, bis das Gold geliefert wird / abgeholt werden kann?
Das Gold wird in Standardbarren
zu 12,5 Kilogramm mit dem handelsüblichem Feingehalt 995/1000
oder besser eingelagert. Somit können
ausschliesslich Standardbarren innerhalb von 3 - 5 Bankwerktagen
am Hauptsitz der ZKB oder an jede andere Bank in der Schweiz
ausgeliefert werden. Kleinere Einheiten werden nicht angeboten,
da deren Beschaffung und Lagerung die Kostenstruktur des
Fonds deutlich verteuern würde. Zu beachten ist dabei, dass sich
die Kommissionen auf total 1,2% belaufen, weshalb eine Auslieferung
auch wirtschaftlich überlegt werden sollte, zumal dann eine ebenso
sichere Verwahrung als Alternative gesucht werden muss.
Neben dem Kauf von ETFs und physischem Gold gibt es auch die Möglichkeit eines Goldkontos. Für wen eignet sich ein solches Konto?
Ein Edelmetallkonto eignet sich grundsätzlich für alle, die ihre Anlagen breiter diversifizieren wollen. Guthaben auf Metallkonten werden nicht verzinst. Der Kontoinhaber kann sich die seinem Kontoguthaben entsprechende Menge Gold genauso wie beim ZKB Gold-ETF ausliefern lassen.
Vorteil eines Metallkontos ist, dass es sich auch für Kleinanleger eignet, da man nicht an bestimmte Einheiten gebunden ist und keine Kaufs- oder Verkaufskommissionen anfallen. Nachteil dagegen ist, dass es im Falle eines Konkurses wie ein normales Konto behandelt wird. Edelmetall-ETFs hingegen gelten als Sondervermögen, welches nicht in eine Konkursmasse fällt.
Im Januar hat die ZKB bei den Gold- und Silber-ETFs auch Klassen in Euro und US-Dollar herausgegeben. Was war der Grund dafür?
Wir hatten seit der Lancierung
unserer ETFs mehr und mehr Nachfrage auch von ausländischer
Seite. Die Fremdwährungstranchen dienen vor allem dazu, dass
ausländische Anleger unsere ETFs in ihrer entsprechenden
Währung (Euro oder US-Dollar) kaufen können, ohne jeweils
die entsprechenden Währungen umtauschen zu müssen und dadurch
auch Kosten sparen können. Ferner ist für sie der Kurs in
ihrer Landeswährung transparenter.
Wieso wurde keine Währungsabsicherung (analog zu jener der Bank Julius Bär ETFs) eingebaut?
Gold (teilweise auch Silber) wird meistens als Absicherungsinstrument gegen jede Art von Risiken gekauft. Es ist sozusagen eine „eigene Währung“, welche in ihrer Funktion als Krisenschutz gar keine Absicherung benötigt.
Häufig steigen Gold und Silber in US-Dollar, wobei sich gleichzeitig der US-Dollar abschwächt, oder umgekehrt. Dies durften wir in den letzten Monaten wiederum deutlich erleben. Für einen europäischen Anleger ergeben sich in der Regel dadurch deutlich geringere Kursschwankungen der Metallpreise. Eine Währungsabsicherung kann somit ungeahnte Kursabweichungen verursachen, in jedem Fall jedoch zusätzliche Kosten.
Wie hoch sind die bisherigen Geldzuflüsse in die neu lancierten ETFs der ZKB und wie sind sie mit deren Entwicklung zufrieden?
Stand nach gut zwei Monaten:
Gold ca. 315'000 Anteile / Unzen (ca. 330 Mio. Schweizer Franken Gegenwert)
Silber ca. 50'000 Anteile /5’000'000 Unzen (ca. 80 Mio. Schweizer Franken Gegenwert)
Mit dem insgesamt rund 400 Mio.
Schweizer Franken erreichten Volumen sind wir sehr zufrieden.
Damit hat sich auch bestätigt, dass diese Fremdwährungsklassen wirklich einem Bedürfnis der Anleger entsprechen. Wir haben damit die notwendige Menge zur Deckung der Fixosten wesentlich schneller erreicht als erhofft.
Können Sie uns sagen, wer den Hauptanteil Ihrer Anleger darstellt und auch woher diese kommen?
Da unsere ETFs an der Börse gehandelt
werden und daher durch jede Bank gekauft werden können, ist
es uns nicht möglich, die Anleger genauer zu analysieren.
Wir gehen jedoch davon aus, dass institutionelle Anleger
nach wie vor den grösseren Teil unserer Edelmetall-ETFs halten.
Der Anteil privater Anleger hat jedoch mit den Jahren deutlich
zugenommen. Auch gehen wir davon aus, dass eine überwiegende
Mehrheit durch Kunden von Schweizer Banken gehalten wird.
Aber auch hier stellen wir permanent vermehrtes Interesse
ausländischer
Kunden fest.
Sollte der Goldhandel einmal wirklich illiquide werden, können Sie dann noch weitere ETFs ausgeben?
Gemäss Fondsvertrag können wir
in solchen Situationen die Ausgabe von neuen Anteilen einstellen.
Wir geben neue Anteile ohnehin nur heraus, wenn wir für die
im Sekundärmarkt (Börsenhandel der ETFs) gehandelten Anteile
jeweils auch die entsprechende Menge von physischem Gold
im Spotmarkt eindecken können. Damit können
wir sicherstellen, dass die bereits bestehenden Anleger jederzeit
hundertprozentig geschützt sind, da wir immer hundertprozentige
Deckung aufweisen können.
Herr Stalder, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Thomas J.
Caduff, Chefredaktor.
Zur Person
Hugo Stalder ist Vizedirektor und Product Manager Edelmetall-ETFs
bei der Zürcher Kantonalbank in Zürich.
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