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Interviews: Finanzen

[2009.03.31]  Mit Hugo Stalder von der Zürcher Kantonalbank, Zürich

Gespräch mit Hugo Stalder, Vizedirektor, Product Manager Edelmetall-ETFs, von der Zürcher Kantonalbank, Zürich (www.zkb.ch).

Herr Stalder, derzeit findet ein Run auf Gold statt – und damit vor allem auch auf Ihre ZKB Gold-ETFs. Hätten Sie das erwartet?

Es gab Kreise, die schon seit Jahren eine Erholung des Goldes, oder der Edelmetalle generell, vorhersagten. Wir haben diesen Trend in einer solchen Stärke sicher nicht vorhergesehen, sonst hätten wir sämtliche Produkte noch früher auf den Markt gebracht. Als wir den Gold-ETF lancierten, haben wir ziemlich schnell feststellen dürfen, dass dieses Setup bei vielen Anlegern sehr gut ankommt und wir damit viel Vertrauen schaffen konnten. Und genau dieses Vertrauen hat unseren ETFs jetzt in der Finanzkrise zusätzlich geholfen, wo vor allem grösstmögliche Sicherheit gesucht wird. Auch die Finanzkrise war kaum vorherzusehen, schon gar nicht in diesem Ausmass.

Welches sind die wesentlichen Sicherheitsmerkmale der ZKB Edelmetall-ETFs und worin unterscheiden sie sich gegenüber Konkurrenzprodukten?

Neben der Sicherheit der ZKB als Depotbank stellen unsere Edelmetall-ETFs wie alle anderen Fonds Sondervermögen dar und fallen somit im Falle eines Konkurses der Depotbank oder der Fondsleitung nicht in deren Konkursmasse. Ferner sind die ZKB Edelmetall-ETFs gemäss Fondsvertrag jederzeit zu 100% in der Schweiz physisch hinterlegt, und das Fondsvermögen kann weder verpfändet, ausgeliehen noch sonst irgendwie belastet werden. Dies wird auch durch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA über die externe Revisionsstelle überwacht. Und gerade die volle physische Deckung sowie deren Unantastbarkeit sind bei etlichen Konkurrenzprodukten nicht immer gegeben oder werden zumindest angezweifelt.

 


 

Wie haben sich Ihre Gold-ETFs volumenmässig im letzten Jahr entwickelt?

Ende 2007 war der Goldbestand bei rund 830 Mio. Schweizer Franken, derzeit sind wir bei rund 4,5 Mrd. Schweizer Franken, womit sich der Bestand seither mehr als verfünffacht hat. Mit dieser Entwicklung sind wir ausserordentlich zufrieden.

Angenommen, ein Anleger des Gold-ETF möchte das Gold physisch ausliefern lassen, wie lange dauert es, bis das Gold geliefert wird / abgeholt werden kann?

Das Gold wird in Standardbarren zu 12,5 Kilogramm mit dem handelsüblichem Feingehalt 995/1000 oder besser eingelagert. Somit können ausschliesslich Standardbarren innerhalb von 3 - 5 Bankwerktagen am Hauptsitz der ZKB oder an jede andere Bank in der Schweiz ausgeliefert werden. Kleinere Einheiten werden nicht angeboten, da deren Beschaffung und Lagerung die Kostenstruktur des Fonds deutlich verteuern würde. Zu beachten ist dabei, dass sich die Kommissionen auf total 1,2% belaufen, weshalb eine Auslieferung auch wirtschaftlich überlegt werden sollte, zumal dann eine ebenso sichere Verwahrung als Alternative gesucht werden muss.

Neben dem Kauf von ETFs und physischem Gold gibt es auch die Möglichkeit eines Goldkontos. Für wen eignet sich ein solches Konto?

Ein Edelmetallkonto eignet sich grundsätzlich für alle, die ihre Anlagen breiter diversifizieren wollen. Guthaben auf Metallkonten werden nicht verzinst. Der Kontoinhaber kann sich die seinem Kontoguthaben entsprechende Menge Gold genauso wie beim ZKB Gold-ETF ausliefern lassen.

Vorteil eines Metallkontos ist, dass es sich auch für Kleinanleger eignet, da man nicht an bestimmte Einheiten gebunden ist und keine Kaufs- oder Verkaufskommissionen anfallen. Nachteil dagegen ist, dass es im Falle eines Konkurses wie ein normales Konto behandelt wird. Edelmetall-ETFs hingegen gelten als Sondervermögen, welches nicht in eine Konkursmasse fällt.

Im Januar hat die ZKB bei den Gold- und Silber-ETFs auch Klassen in Euro und US-Dollar herausgegeben. Was war der Grund dafür?

Wir hatten seit der Lancierung unserer ETFs mehr und mehr Nachfrage auch von ausländischer Seite. Die Fremdwährungstranchen dienen vor allem dazu, dass ausländische Anleger unsere ETFs in ihrer entsprechenden Währung (Euro oder US-Dollar) kaufen können, ohne jeweils die entsprechenden Währungen umtauschen zu müssen und dadurch auch Kosten sparen können. Ferner ist für sie der Kurs in ihrer Landeswährung transparenter.

Wieso wurde keine Währungsabsicherung (analog zu jener der Bank Julius Bär ETFs) eingebaut?

Gold (teilweise auch Silber) wird meistens als Absicherungsinstrument gegen jede Art von Risiken gekauft. Es ist sozusagen eine „eigene Währung“, welche in ihrer Funktion als Krisenschutz gar keine Absicherung benötigt.

Häufig steigen Gold und Silber in US-Dollar, wobei sich gleichzeitig der US-Dollar abschwächt, oder umgekehrt. Dies durften wir in den letzten Monaten wiederum deutlich erleben. Für einen europäischen Anleger ergeben sich in der Regel dadurch deutlich geringere Kursschwankungen der Metallpreise. Eine Währungsabsicherung kann somit ungeahnte Kursabweichungen verursachen, in jedem Fall jedoch zusätzliche Kosten.

Wie hoch sind die bisherigen Geldzuflüsse in die neu lancierten ETFs der ZKB und wie sind sie mit deren Entwicklung zufrieden?

Stand nach gut zwei Monaten:
Gold ca. 315'000 Anteile / Unzen (ca. 330 Mio. Schweizer Franken Gegenwert)
Silber ca. 50'000 Anteile /5’000'000 Unzen (ca. 80 Mio. Schweizer Franken Gegenwert)

Mit dem insgesamt rund 400 Mio. Schweizer Franken erreichten Volumen sind wir sehr zufrieden. Damit hat sich auch bestätigt, dass diese Fremdwährungsklassen wirklich einem Bedürfnis der Anleger entsprechen. Wir haben damit die notwendige Menge zur Deckung der Fixosten wesentlich schneller erreicht als erhofft.

Können Sie uns sagen, wer den Hauptanteil Ihrer Anleger darstellt und auch woher diese kommen?

Da unsere ETFs an der Börse gehandelt werden und daher durch jede Bank gekauft werden können, ist es uns nicht möglich, die Anleger genauer zu analysieren. Wir gehen jedoch davon aus, dass institutionelle Anleger nach wie vor den grösseren Teil unserer Edelmetall-ETFs halten. Der Anteil privater Anleger hat jedoch mit den Jahren deutlich zugenommen. Auch gehen wir davon aus, dass eine überwiegende Mehrheit durch Kunden von Schweizer Banken gehalten wird. Aber auch hier stellen wir permanent vermehrtes Interesse ausländischer Kunden fest.

Sollte der Goldhandel einmal wirklich illiquide werden, können Sie dann noch weitere ETFs ausgeben?

Gemäss Fondsvertrag können wir in solchen Situationen die Ausgabe von neuen Anteilen einstellen. Wir geben neue Anteile ohnehin nur heraus, wenn wir für die im Sekundärmarkt (Börsenhandel der ETFs) gehandelten Anteile jeweils auch die entsprechende Menge von physischem Gold im Spotmarkt eindecken können. Damit können wir sicherstellen, dass die bereits bestehenden Anleger jederzeit hundertprozentig geschützt sind, da wir immer hundertprozentige Deckung aufweisen können.

Herr Stalder, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Thomas J. Caduff, Chefredaktor.

Zur Person
Hugo Stalder ist Vizedirektor und Product Manager Edelmetall-ETFs bei der Zürcher Kantonalbank in Zürich.

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